… es ist bei weitem nicht drin, was draufsteht – verdeckte Narzissten auf Social Media Teil I

Ein gewagtes Experiment

Man kennt es aus Hollywood. Um eine Rolle überzeugend darstellen zu können nehmen sie 30kg zu, derer sie sich dann nach Drehschluss gekonnt spielend wieder entledigen. In meinem Fall warnte mich ein Traum vor dem, was auf mich zukommen könnte. Das erlebte ich lange nicht mehr in dieser Deutlichkeit. Ich lief durch einen Wald und plötzlich sprang mich von hinten ein ungefähr ein mal ein mal null Komma fünf Meter großes, schweres, grünes und klebriges Wesen an, das ich nicht wieder abschütteln konnte. Egal was ich machte, ob es schnelle drehende Bewegungen oder rückseitige Reibungen an Baumrinden waren, ich wurde das Ding nicht wieder los. Es grub sich mit seinen Widerhaken tief in meine Haut ein, um sich noch besser festhalten zu können und wurde von Moment zu Moment schwerer. Mir tat nach einer Weile alles weh, ich wurde panisch und nur die Tatsache, dass ich wach wurde, befreite mich aus dieser beängstigenden und aussichtslos scheinenden Situation. Diesen Traum werde ich so schnell nicht vergessen. Ein klares Zeichen, ganz offensichtlich.

In den darauffolgenden Wochen nahm ich es freiwillig auf mich, dieses schwer abzuschüttelnde Monster mit spitzen Widerhaken in meinem Rücken mit mir herumzutragen. Aus Experimentationszwecken. Ich werde über ein Phänomen schreiben, das es bis jetzt nur wenig ins öffentliche Bewusstsein geschafft hat aber durch die zunehmende Digitalisierung ständig an Brisanz gewinnt.

Es begann am 29. November um 11:27h, als ich auf eine frische und originelle, vielleicht auch etwas unverschämte Kontaktanfrage auf facebook reagierte. Sie ließ mich von der ersten Sekunde an vermuten, es ganz offensichtlich schon wieder mit einem weiteren Exemplar aus meiner Kategorie ‚Narzissten im Alltag erkennen‘ zu tun zu haben. So sollte es sein. Nennen wir ihn ganz neutral Max. Hätte besagter Max meine Texte gründlicher gelesen, hätte er verstanden, dass in diesem Fall nicht er mich, sondern ich ihn teste. Aber dazu später mehr.

 

 

Wenn Menschen sich emotional nicht wie vorgesehen entwickeln können

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich nun schon mit den ausbeuterischen Aspekten des Themas Narzissmus, seinen Schweregraden und seinen vielfältigen Auswirkungen auf das jeweilige Umfeld dieser verschlagenen Manipulatoren mit einer Persönlichkeitsstörung aus dem Spektrum des Clusters B. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, mein Wissen über das Phänomen ‚gezielte und verdeckte Manipulation‘ innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die gesundheitlichen Folgen der Opfer von (malignen) Narzissten sind oft so eklatant,
dass ihre posttraumatischen Belastungsstörungen sie in vielen Fällen kein normales Leben mehr führen lassen. Oft werden sie ernsthaft krank und/oder nehmen sich das Leben. Sie haben bis jetzt keine Lobby, bzw. gibt es erst seit letztem Jahr den 1. Juni, Day of the Victims Of Psychological Abuse (Gedenktag der Opfer psychischen bzw. emotionalen Missbrauchs).

Während meiner Buchrecherche fand ich sehr viel interessantes Material, unter anderem die Publikationen von H.G. Tudor, selbst ein Narzisst mit antisozialer Persönlichkeitsstörung und Sam Vaknin, der seit Jahren im englischsprachigen Raum der Öffentlichkeit Einblicke in die Charakterbesonderheiten und Strategien von Psychopathen gibt. Als selbst betroffenes Opfer hat sich der britische Psychologe Richard Grannon der Aufklärung und Unterstützung geschädigter Patienten verschrieben. Die Zusammenhänge sind extrem komplex, – Richard Grannon bringt die entscheidenden Aspekte in bemerkenswerter Klarheit u.a. per Video (youtube) auf den Punkt.

 

Manipulation

Eigentlich bedeutet der Begriff in der Übersetzung lediglich ‚Handhabe (Handgriff)‘. Benutzt wird er aber hauptsächlich sowohl in psychologischen, soziologischen und politischen Zusammenhängen im Sinne von gezielter und
verdeckter Einflussnahme und bezieht sich auf sämtliche Prozesse, die auf eine Steuerung des Erlebens und Verhaltens von Einzelnen und/oder Gruppen zielen und diesen verborgen bleiben sollen.

Narzissten können nicht anders, als zu manipulieren, um ihre Ziele zu erreichen. Sie verfügen nicht über Empathie, können sich also nicht in andere Menschen hineinversetzen. Einfach mittels emotionaler Sprache zu kommunizieren, ist ihnen nicht möglich. Dieser Weg der Umsetzung ihrer Wünsche und Bedürfnisse ist ihnen versperrt. Sie lernen im Laufe ihres Lebens, durch genaue Beobachtung der Mimik und Körpersprache emotional normal entwickelter Personen, deren  Gefühle zu deuten. Mittels kausaler Zusammenhänge erschließen sie sich dann ein konstruiertes, synthetisches ‚Gefühlsabstrakt‘ (bestehend aus einem auswendig gelernten Vokabelreservoir aus dem Bereich Empathie) außerhalb ihrer selbst, dessen sie sich in Momenten ihrer manipulativen Machtübernahme bedienen. Dieses Konstrukt ist verständlicherweise  fehleranfällig. In diesen Momenten kleinster Fehler und Ungenauigkeiten, fehlender Kongruenz, Unter- und Übertreibungen, der schon erwähnten Widersprüche oder auch inadäquater, der Situation nicht angemessener Bemerkungen und Handlungen, kann man ihre Strategie erkennen. Sprache ist für sie einzig ein geschickt einzusetzendes Mittel, um ihre verdeckten Vorhaben erfolgreich umzusetzen, dient aber nicht einer aufrichtigen, authentischen Kommunikation.

 

 

Die narzisstische Methode grob umrissen

Da ich von Anfang an wusste, wegen meines Fotos auf facebook ausgewählt worden zu sein, war ich mir sicher, es mit einem auf Körperlichkeiten ausgerichteten, somatischen Narzissten zu tun zu haben. Wenn man einmal ein angepeiltes Objekt dieser Herren ist (es können natürlich im umgekehrten Fall auch Damen sein), stellt sich eigentlich nur noch die Frage, was genau ihre jeweilige Zielsetzung ist. Man wird zum Manipulationsgegenstand, weil man ihnen voraussichtlich anregende Energie liefern wird, wenn ihre Rechnung aufgeht. Es gibt, grob unterteilt, cerebrale und somatische Narzissten. Die einen konzentrieren sich beispielsweise darauf, geistige Stimulation zu erleben oder auch auf lange Sicht einen geschickten materiellen Übergriff zu starten, die andere Gruppe focussiert sich auf Manipulation über körperliche Nähe. Sie spricht stark auf ästhetische Momente an, liebt stimmungsvolle Atmosphären und den Genuss an sich. Die Merkmale beider Gruppierungen habe ich hier natürlich nur sehr oberflächlich beschrieben.

Gemein haben alle Narzissten, mittels Übergriffen unterschiedlichster Art die Grenzen ihres ausgesuchten Objektes peu à peu zu überschreiten, sie damit auf ihre Resistenzfähigkeit zu überprüfen und sich Schritt für Schritt in der Gedankenwelt ihres Opfers zu verankern. Es handelt sich tatsächlich um das Ziel der totalen geistigen Kontrolle des jeweils anderen. Funktioniert ihr Plan, können sie sich nach einer Weile höchst strategischen Vorgehens bei ihrem Objekt nach Belieben mit Energie versorgen. Wann immer sie wollen und in der Intensität, die sie brauchen. Die Form der abzuzapfenden Energie kann beispielsweise emotionaler, sexueller, finanzieller Art sein oder sich auch einfach nur auf die sichere Zuführung an Aufmerksamkeit beziehen.

Es ist wichtig zu wissen, dass Narzissten ohne Energiezuführung von außen ‚leer‘ sind. Sie brauchen die Spiegelung in anderen, ohne die sie sich nicht lebendig fühlen würden. Lebensenergie aus sich selbst heraus zu generieren, ist ihnen nicht möglich.

Die ausgesuchten Objekte werden mental süchtig gemacht. Wie funktioniert das? Sie werden nach erfolgreicher Kontaktaufnahme gezielt regelmäßig mit übertriebenen Komplimenten, vorgetäuschter Fürsorge, vorgetäuschtem Interesse, großzügigen Geschenken etc. überversorgt und somit über einen langen Zeitraum in Sicherheit gewogen. Die Opfer glauben irgendwann, es mit authentischer Zuneigung zu tun zu haben. Kennen sie das Phänomen Narzissmus nicht genau oder funktionieren ihre Intuitionen nicht (d.h. stellen sie die feinen Widersprüche im Verhalten der verschlagenen Aggressoren nicht fest), finden in ihren Gehirnen gesteuerte Konditionierungen statt, die sie kalkulierbar auf gezielt gesetzte Reize reagieren lassen. Nach einer geraumen Zeit wechseln sich Glücks- oder Stresshormone ab. Je nach Verhalten des Narzissten. Es handelt sich im fortgeschrittenen Stadium der Manipulation grob gesagt um ein vorsätzliches Spiel mit einerseits großzügiger emotionaler Versorgung und im Gegenzug mit drastischem Abzug von Zuwendung bis zu harscher Kritik und Sanktionierungen. Das Opfer wird verwirrt und traut nach einer Zeit seinen eigenen Wahrnehmungen nicht mehr. Diesen Chaoszustand der Verwirrung macht sich der Narzisst für seine profitorientierten Berechnungen zunutze. Die Auswirkungen auf die Opfer sind teilweise extrem dramatisch. Narzissten können über einen langen Zeitraum ihr Opfer so weit demontieren, dass es vollkommen kraftlos nicht mehr in der Lage ist, sich selbst aus seiner Situation zu befreien.

Warum das Opfer aus der Sicht des Predators zur Gruppe der potenziellen Objekte zählt und ausgewählt wird und der Narzisst zum malignen Persönlichkeitsgestörten geworden ist, hängt mit komplexen Entwicklungen im emotionalen Erleben während ihrer frühen Kindheit zusammen. Wurden sie z.B. selbst als Kind von den eigenen Eltern über lange Zeit objektifiziert, nicht für das geliebt, was ihre Persönlichkeit ausgemacht hat, wurde nicht liebevoll auf sie eingegangen oder wurden sie stark vernachlässigt, konnten sie eine eigene emotionale Identität nicht aufbauen.

 

Der Versuch

Ich wusste also von Anfang an, worauf ich mich einließ und spielte zähneknirschend bis Silvester sein verschlagenes Spiel mit. Bis ich ihn dann, zusammen mit dem abgestandenen Champagnerrest meines Glases, am Neujahrsmorgen fulminant den Abfluss runtergekippt habe.

Das ganze Unternehmen erforderte einige Disziplin. Und oft habe ich mich während des vierwöchigen Prozesses fragen müssen, für wie dumm oder naiv er mich hält und woran das wohl liegt. Dieser Mann hatte durch meine Veröffentlichungen zwar schriftlich, dass ich weder das eine, noch das andere bin, hat sich aber gemäß seines für Narzissten typischen Größenwahns und in seiner Selbstbezogenheit von seinem widerwärtigen Plan nicht abbringen lassen. Mein Ziel, möglichst viel Textmaterial zu sammeln, um es an passender Stelle zu Demonstrationszwecken zu nutzen, habe ich trotz seiner vielen subtilen Despektierlichkeiten nie aus den Augen verloren.

Ich habe beispielsweise mehrfach tagelang nicht auf seine schwülstigen und überlangen What’s App Nachrichten reagiert, wohl wissend, dass ihn das ärgern würde. Seine Strategie ging nicht auf, ich zeigte mich resistent. Die Anstrengungen schienen sich nicht zu lohnen, bis ich mich dann nach vier oder fünf Tagen wieder bei ihm meldete und er umso vehementer mit seinem Bombardement vorgetäuschter ‚tiefer Gefühle‘ für mich fortfuhr.

Auf seine vereinzelten Grenzüberschreitungen habe ich zunächst nicht reagiert, um meinen interessanten Versuch nicht frühzeitig zu beenden. Die oben schon genannten feinen Widersprüche in seinem Verhalten ließen nicht lange auf sich warten.
So verwendete er zum Beispiel schon nach wenigen Tagen unserer Korrespondenz ganz subtil von mir selbst Gesagtes gegen mich, um ein persönliches Treffen mit mir zu forcieren. Ungeduldig und unverschämt, wie somatische Narzissten üblicherweise sind.

Fortsetzung folgt

http://lovelifeom.com/identifying-a-narcissistic-sociopath/

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