Wir hatten doch auch gute Zeiten

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Oslofjord, 5. Juni 2017

Es gibt Momente, in denen bin ich sehr weich und mild gestimmt. Meistens ist ein emotionaler Film oder eine berührende Situation des reellen Lebens vorausgegangen. Ich halte an und mein Atmen wird tief.

Dann denke ich an rasend schnelle Am Wind Kurse der Sonne entgegen, an sprühende Gischt, an wärmendes Teak und glänzendes Messing, an knarzendes Tauwerk, das wir mit den Winschen an das Äußerste brachten.

Das Schiff durchschlug die Wellen, als wären sie nichts. Du steuertest, wie immer, und ich freute mich besonders an deiner erfrischenden Ausgelassenheit in diesen warmen Sommertagen und dass du gefordert wurdest und an deinem befreienden Lachen. Ließt du doch sonst nur selten wirklich los. Ich wähnte mich sicher, lehnte mich zurück an die Wanten und sah zutiefst zufrieden weit über die dunkelblauen Wogen bis zum Horizont.

So sollte es sein, kein Zweifel daran, genau so war es gedacht. Wenn man den Wahrscheinlichkeitsgesetzen erst einmal getrotzt und das Unmögliche möglich gemacht hatte, dann ging alles seinen wohlwollend belohnenden Gang.
Das war meine Theorie.

Und dass aber doch immer ein trennender, haarfeiner Spalt zwischen uns war, unüberbrückbar, erschien mir besonders an diesen majestätischen Tagen auf See deiner Exzellenz geschuldet, der ich nichts reichen konnte. Das dachte ich jedenfalls. So groß erschien mir deine Präsenz. Ich wäre mit dir in die dunkelste Wetterwand gesegelt, ohne Angst und voller Vertrauen.

Dein Körper glich dem eines schwarz emaillierten griechischen Diskuswerfers auf einer tönernen Amphore, umrahmt von zwei komplexen Mäandern. Deine Haltung, deine eleganten Bewegungen, die trotz deiner Kraft leicht und fließend waren, deine schönen Hände, die kleinste, festgezurrte Knoten mit liebevoller Hingabe innerhalb kürzester Zeit spielend lösen konnten, deine Fähigkeit, an alles gleichzeitig zu denken, deine Vorausschau, dein Weitblick, deine analytische Brillanz, – all das machte es mir am Ende so schwer.

Ein Ende, das unausweichlich wurde. Den einzigen Grund auf dieser Welt, warum eine Trennung endgültig und ein seltenes Glück unwiederbringlich verloren bleibt, bedientest du. Du, der sonst ständig alles wusste und alles konnte und vieles voraussah, ausgerechnet du hast die Minimalanforderung nicht erfüllt. Ich stand lange neben mir deshalb, noch lange nach dem Schock.

Wären doch nur diese Zeiten voller schönster, stimmiger Momente nicht derart einzigartig gewesen, dann hätte es mir nicht so sehr das Herz gebrochen. Alles an vorsichtigen, sachten Versuchen im Jetzt, die sich mir nähern und sich trauen, mich beseelen und begeistern zu wollen, hat es schwer.

Ich bin oft in Gedanken, sei es in einer reichhaltigen und abgerundeten Fantasie über doch noch mögliches Glück, oder sei es in Erinnerung an feinst aufgelöste Bilder oder Szenen und ihre emotionalen Inhalte …

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