Leinen los

Meine erste Gedichtveröffentlichung in 2010

„Hallo Ihr Lieben, ich habe etwas Neues! Mein Gedicht ist raus. Sie haben es genommen, ist das nicht genial?“

„So so. Dann bekommen wir doch bestimmt ein Exemplar des Gedichtbandes, oder?“

„Ja klar, sobald ich die Zusendung erhalten habe. Sicher. Macht es gut und bis bald.“

Drei Wochen später.

„Na, wie gefällt es Euch?“

„Wir finden, Du solltest Deine Zeit mit Sinnvollerem verbringen.“

„Was meinst Du genau?“

„Wir haben das Gedicht allen unseren Freunden gezeigt, – keiner hat es verstanden und wir auch nicht … “

“ … “

Zwei Monate später

„Sehr geehrte Frau … , wir haben Ihnen die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass Ihr Gedicht für den Band ‚Unsere Besten‘ ausgewählt wurde. Der Druck … „

Synchronisierte Stunden (Leseprobe)

Der Geräuschemacher

Meistens sind sie die Folge auf  einen starken innerlichen Sturm, wenn sich alles langsam wieder legt. Die Tage nachdem ich hin und hergerissen worden bin zwischen neuen und alten Gefühlen, zwischen dem Ausblick auf Möglichkeiten und der kleinen Angst davor. Vielleicht soll sie mich im Zaum halten, diese Stille, damit ich nicht zu groß träume und mich daran erinnern, dass wirkliche Veränderungen nur langsam wachsen, statt sich zu vergaloppieren.

Automatisch spule ich meine Rituale ab, die sich nicht wie sonst spurlos in die Abfolge meiner Handlungen einreihen, sondern seit dem frühen Morgengrauen laute Geräusche machen. Als ob der Geräuschemacher im Synchronstudio sie zu laut werden ließe. Unverhältnismäßig laut.

Es ist wohl diese Stille in mir, die mich den Schall stärker wahrnehmen lässt, als sonst. Ob es die zufallende Kühlschranktür ist, die Tasse, die ich aus dem Hängeschrank nehme und auf die Bar stelle oder das laute, dumpfe Knacken, wenn ich dem Marmeladenglas das Vakuum nehme. Alles ist viel lauter, als sonst.

Du warst sehr präsent in den letzten Wochen und Monaten und hast uns elegant durch die Jahres – und Tageszeiten geführt. Ich habe Dir vertrauensvoll diese Führung überlassen, denn wie niemand zuvor hast Du präzise die allerfeinsten Ausschläge meiner Gedanken gespürt und sie in vollendeter Form gedeutet. Über einen Ozean hinweg ist Dir gelungen, was andere nicht schaffen, wenn sie neben mir sitzen. Du brauchst noch nicht einmal die subtilen Schwingungen meiner Sprache um ebenfalls nicht mit Deiner Sprache den exakt stimmigen Ton zu treffen. Es gelingt Dir innerhalb dieses unvollständigen sprachlichen Kompromisses, dessen wir uns bedienen, manchmal nur das eine einzig passende Wort im jeweils passenden Moment zu sagen.

Ich ahne, was diese Stille bedeutet. Überwältigt bin ich. Genau genommen finde ich überhaupt gar keinen Ausdruck für diese Synchronizität, denn ich kannte sie nicht. Ich war es nicht gewohnt gespiegelt zu werden. Ich war auf das Alleinsein eingestellt. Und dann stellt sich plötzlich heraus, dass ich nicht allein bin auf dieser Welt mit meiner Art, die Dinge zu betrachten und zu jedem Zeitpunkt immer nur das Feinste zu sehen und zu spüren.

Ich bin sogar geneigt, mich zufrieden zu geben. Mich zufrieden zu geben in dem Bewusstsein darüber, dass es Dich gibt. Jedes Mehr an Wollen, jedes grobe und vulgäre Verlangen würde sicher das über den Ozean gesponnene Netz der filigranen gedanklichen und gefühlten Übereinstimmungen bedrohen. Die Stille ist meine Zurücknahme. Nur langsame, leise Bewegungen machen und nur nichts unachtsam behandeln. Was da ist hat zurecht den Anspruch auf Schutz. Die Stille ist mein Respekt.

Eigentlich möchte ich es lachend herausschreien, die Freude über die Tatsache, dass ich in all den Jahren auf diesen vielen Wegen in unzähligen Wäldern mit meinen Gedanken nie so allein war, wie ich dachte. Ich kannte Dich nur noch nicht. Aber ich bleibe ganz still und rühre mich wenig und der Geräuschemacher produziert weiter sein viel zu lautes Geklapper zu den Dingen, die getan werden müssen.

Ich sehe bewusst nicht aus dem Fenster. Überwältigt bleibe ich ganz ruhig nur für mich allein, um es im Schutz meines Lächelns zu bewahren.

Peut-être je suis en train de le trouver, enfin

Finally

Und selbst wenn es ein halbes Jahrhundert oder noch länger dauert, es ist nie zu spät um ein neues, gesundes und erfolgreiches Leben zu beginnen. Was ich dafür tue habe ich untenstehend notiert:

ich schreibe in jeder freien Minute, allerdings zur Zeit eher im Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung. Dann bin ich dabei brasilianisches Portugiesisch zu lernen, was ich ebenfalls immer schon vorhatte und mit monatlichen Flügen nach São Paulo unterstütze. Außerdem bereite ich mich intensiv auf meine Auszeit in Norwegen vor. Ich setze mich selbst für zwei Monate in einen komplett anderen Rahmen, um mit ihm zu resonieren. Das ist ein Experiment. Nur mit dieser radikalen Veränderung kann ich den gewünschten Effekt eines Neubeginnes realisieren. Wir alle stehen in Resonanz zu unserer Umgebung. Eine deutliche und erfolgreiche Veränderung in seinem gewohnten Umfeld zu initiieren und nachhaltig durchzusetzen ist unmöglich. Deshalb dieser Schritt.

Statt einen langen Text über wichtige Orientierungshilfen des Lebens zu veröffentlichen, möchte ich an dieser Stelle ein Video teilen, das mir vor einigen Jahren Erklärungen und Antworten auf viele Fragen gegeben hat.

Es ist für mich ein Brillant unter den Zufällen, die mir zugespielt wurden.

Kaum Zeit

Entscheidend

Da muss ich mich einmal mehr auf einen Langstreckenflug begeben, um meine Gedanken zu sortieren.

Was ist es, das mich innerhalb der letzten Monate so blockiert hat? Warum kam ich nicht weiter? Hat es mit einem Familiengeheimnis zu tun?

Eine meiner beiden Astrologinnen des Vertrauens hat klugerweise einmal gesagt:

„Nähmen wir alle Blockaden gleichzeitig weg, brächen wir zusammen.“

Es stimmt. Jede Einsicht, jede Klärung, jede Enttäuschung im wahrsten Wortsinn schockiert uns zunächst für eine Zeit. Wir sind sprachlos. Wir schämen uns. Warum sind wir nicht früher hinter die Verhältnismäßigkeit der Dinge gekommen?

Und dann gibt es noch einen nicht zu unterschätzenden Sachverhalt. Wir wissen, wenn wir über Vergangenes sprechen möchten, besonders mit unseren Eltern, riskieren wir die Konsequenz eines Kontaktabbruchs. Das heißt übersetzt nichts anderes, als für das Aufdecken einer Verfehlung auch noch bestraft zu werden.

Es ist in vielen Familien nicht möglich, offen zu sprechen.

Eine offene Kommunikation innerhalb der Familie ist aber die Basis für die Entfaltungen der beteiligten Persönlichkeiten. Wird diese offene Kommunikation behindert, entstehen lebenslange familiäre Konflikte.

Ich darf also aus dem hoch aufgetürmten Bücherstapel unserer Familienepisoden nicht einfach ein Buch herausnehmen, um es zu besprechen. Der Turm würde einstürzen. Ich trage die unaufgelösten Fragen, die Gedankenkontraktionen weiter mit mir herum. Noch immer haben sie Gewalt über mich, diejenigen, die die offenen Gespräche am Tisch abgewürgt haben, oder aufgestanden sind, um sich feige zu entziehen. Was tun?

Ich kann nicht anders, als mir Luft zu verschaffen, auf meine ganz eigene Art.
Wie froh bin ich, dass mir das Mittel der Sprache und somit das Bücherschreiben als anstrengender Kraftaufwand zur Verfügung steht. Und hätte ich nicht sie, die Sprache, fiele mir sicher ein anderer Weg ein. Eine Weltumsegelung oder eine Bergbesteigung oder eine Wüstendurchquerung. Konflikte sind Energien. Dicht aufgestaute Energien, die nicht fließen, werden sie nicht verwendet. Also verwenden wir sie. Transformieren wir sie!

Wenn die Belüftung einer festgefahrenen Situation auf lange Sicht nicht möglich sein wird, dann ist es buchstäblich lebenswichtig, mit aller Kraft etwas Großes in Angriff zu nehmen und den Prozess eines großen Projektes zu beginnen. Die aufgestaute Energie muss fließen. Bevor sie uns von innen zerstört.

Mit dem Timbre der Erfahrung oder

das Jahr geht für mich in D-dur zu Ende, mit Joni Mitchell

Dem Text ihres Stückes ‚Both Sides‘ ist nichts mehr hinzuzufügen.

Joni Mitchell (geb 7. November 1943 in Fort Macleod, Alberta/Canada) hörte als Kind eine Melodie in einem Film mit Kirk Douglas, die ihr so gut gefiel, dass sie unbedingt Klavierunterricht nehmen und selbst Stücke schreiben wollte. Der Freigeist brach ihren strengen und sehr konservativ klassischen
Klavierunterricht nach einiger Zeit ab, – sie wollte lieber nach Gehör spielen und komponieren …

Ihr Gesamtkunstwerk ist bemerkenswert.

Joni Mitchell ist übrigens auch Schriftstellerin und Malerin. Sie lebt in British Columbia, Canada.

Das  Interview mit ‚The National‘ ist spannend, besonders für Kreative. Ich kann es nur empfehlen.

„Well something’s lost, but something’s gained in living every day“.

http://www.jonimitchell.com