Was den Politikertypus Boris Johnson Schrägstrich Donald Trump von anderen unterscheidet ist ihr unerschütterlicher Optimismus …

… und ihre Motivation

Ein kontroverses Thema

Meinung/ Britta Heusinger von Waldegg

Man möge mich verbal steinigen, teeren und federn, und das alles gleichzeitig, – hier ist meine Perspektive.

Nach Jahren kritischer Beobachtung der politischen Situation sowohl in den USA, als auch aktuell in Großbritannien, möchte ich mich diesen beiden Führungspersönlichkeiten gern auf eine vollkommen andere Art nähern, als es der überwiegende Teil der Medien und die jeweils gewaltige Front ihrer Widersacher tun.

 

Im Vergleich

Sieht man sich ihre Biographien an, stößt man schnell auf Parallelen. Beide kommen aus privilegierten Familien, wenn auch jeweils mit anderer Ausrichtung. Während der eine materiell überversorgt aufwuchs und diesbezüglich schon früh an andere Dimensionen gewöhnt war, als der Durchschnittsbürger, lebte der andere die typische Kindheit und Jugend eines britischen Intellektuellen mit entsprechenden Abschlüssen namhafter Bildungseinrichtungen, inklusive daraus resultierender Netzwerke.

Die meisten von uns kennen das. Was hatten wir uns als Kind alles vorgenommen und wie oft wurden wir von der Erwachsenenwelt dafür belächelt, wenn wir einmal mehr den Fehler gemacht hatten, ihnen auf ihre Frage, was wir denn einmal gedachten werden zu wollen, die Wahrheit gesagt hatten.

Soetwas geht selten gut. Aber manchmal klappt es auch. Beispiel Boris Johnson. Er wollte zunächst ‚Weltkönig‘ werden und hat dann, im Laufe seiner Entwicklung, die Erwartungen an sich selbst heruntergeschraubt und sich vorerst mit der Berufsbeschreibung ‚Premierminister‘ realistischen Umständen angepasst.

Der andere war hauptsächlich von Gewinnmaximierung getrieben, das machte ihm von jeher Spaß, hatte von Haus aus ein gutes Budget mit dem er experimentieren konnte, fiel des öfteren massiv auf die Nase, konsolidierte sich aber jedes Mal und profitierte gut von seinen Erfahrungen.

Bei dem einen drückte sich Macht in Materie, bei dem anderen in Meinungssteuerung durch Publikationen, intellektuelle Überheblichkeiten und somit politischen Einfluss aus. Es wird behauptet, dass Johnson die jahrelang andauernde Antipathie des Großteils der Briten gegen die EU und vor dem Referendum selbst gesteuert habe, indem er entsprechende Artikel von Brüssel aus verfasst und sein Verlag sie unrezensiert auf der Insel veröffentlicht habe. Es wäre auf diese Weise ein komplett falscher Eindruck über die Arbeit der EU- Politiker entstanden, was dann in eine 17,4 Millionen Mehrheit der Brexit- Anhänger mündete.

Beide expandierten also im Laufe der Zeit auf ihren Gebieten. Und wenn man politisch ‚groß‘ denkt ist Empathie selten förderlich. Man ist ja nicht Gandhi oder Greta Thunberg. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, – den wenigsten gefällt es nicht, Massen beeinflussen und steuern zu können. Die meisten dieser Persönlichkeiten fangen irgendwann an, sich an ihrer eigenen Signifikanz zu berauschen.

 

Die Umsetzer

Und jetzt kommt das eigentlich Kontroverse dieses kleinen Aufsatzes:

ich behaupte, dass es sowohl Trump, als auch Johnson eben nicht um die eigene Person geht, sondern tatsächlich buchstäblich konservativ um ihr Land. Und schon höre ich nicht nur das ohrenbetäubende Raunen und Brüllen der Linken im House of Commons und Bercow ‚Order, Order‘ schreien, nein, ich höre sogar den sich eher räuspernden, hinter vorgehaltener Hand stattfindenden Protest der Noble Lords and Baronesses des Oberhauses.

Sagen wir es anders. Ich weiß es. Ich weiß, dass für einen Trump und einen Johnson die ’stakes‘ nicht hoch genug hängen können, um einen Begriff aus dem Pferdesport zu benutzen, damit sie sich überhaupt herausgefordert fühlen. Beide haben diesen unerschütterlichen Optimismus, spezielle Begabungen und eine Selbstgewissheit, dass sie ihre komplexen politischen Probleme werden lösen können. Beide, zumindest anfangs, auf ihre brachiale Art. Und warum brachial? Weil sich, mit Verlaub, einige westliche Demokratien inzwischen selbst verdauen und zu lange zu viele zu zu vielem befragt werden, bis es kaum noch vernünftige und plausible Beschlüsse mehr gibt.

Was ist beispielsweise eine Mehrheit wert, die aus 51% besteht, wenn der komplementäre Teil keinen Einfluss hat und daher dauerprotestiert? Der ebenso bekannte wie bedeutsame Nachteil des Plebiszits. Die britische Gesellschaft ist erschöpft. Es müssen konkrete Beschlüsse gefasst werden, daran führt kein Weg vorbei. Und warum glaubt ein großer Teil der Bevölkerung nicht an die Kraft der Gesellschaft, nach dem Austritt am 31.10.? Es sind, wie paradox, ausgerechnet die Linken, denen die nötige Offenheit und Flexibilität, denen die Fantasie dazu fehlt. Sie werden von irrationalen Ängsten getrieben. Großbritannien würde vermutlich sogar aufblühen, – gestärkt durch eine neuartige und sehr gut zu diesem Land und seinen Menschen passende kollektive Selbstgewissheit. Man könnte sogar ein bisschen neidisch werden …

In USA war es vor einigen Jahren ähnlich, wenn auch die Zusammenhänge sehr differieren. Man kann es den Bürgern nicht vermitteln, dass Milliarden für Truppen und unsinnige militärische Konflikte ausgegeben (die früher dem Innen dienen sollten), hohe Beitäge innerhalb von Bündnissen geleistet werden, aber die Farmer im Mittleren Westen, die Arbeitslosen dahingegangener Industrien oder eine marode Infrastruktur auf der Strecke bleiben. Trump ist schlicht zu geizig um fehl zu investieren. Auch hier: es musste, notfalls brachial, etwas passieren. Und es ist etwas passiert. Die Wirtschaftszahlen in den USA belegen es.

 

Transition oder Man muss Erfolg auch für möglich halten

Eine Übergangszeit ist nie leicht. Was auf individueller Ebene gilt, passiert auch im Großen. Es beschleichen einen Zweifel hinsichtlich einer ungewissen Zukunft, natürlich. Das allein darf aber Entscheidungsprozesse nicht dominieren. Es müssen positive Visionen über einen erfolgreichen Ausgang von Erneuerungen die größere Rolle spielen.

Ich nehme es diesen beiden authentischen Typen ab, so schräg sie auch sind, was bekanntlich ein Merkmal von Genialität ist, dass sie die Kraft und die Fähigkeit zur erfolgreichen Umsetzung dieser Visionen haben, denn sie lieben und beschützen es und identifizieren sich beide zu 100% mit ihrem Land. Und das erzeugt einen Sog bei der Bevölkerung. Auch wenn es bei einigen etwas länger dauert.