Das Hawelka

Nach 27 Jahren war ich heute das erste Mal wieder im Hawelka. Und zwar abends. Abends gehen dort ja immer die frisch gebackenen Buchteln herum und schwängern die Luft. Ich kann kaum beschreiben, wie wohlig warm ich mich gefühlt habe. Nichts, aber auch rein gar nichts hatte sich verändert. Schon wie sich innerhalb der 45 Jahre vor meinem ersten Besuch nichts verändert hatte. Die dunkelstbraunen Vertäfelungen, die kleinen Nischen für die Marmortische sowie die rotgold gestreift und abgesessenen Sofas machen es einem schwer, sich wieder in die ungeschützten kalten und total überlaufenen Strassen Wiens zu trauen. Sogar die anderen Gäste sind einem automatisch sympathisch. Schließlich kommen sie alle aus dem gleichen Grund. Kein grantelnder Kellner lässt einen seine Verachtung spüren. Und wenn ich fünf Stunden dort hätte sitzen wollen, dann hätte ich es gedurft. Wenn ich könnte, käme ich jede Woche nach Wien. Schon allein wegen des Hawelkas. Vollkommen unbeeinflusst nimmt er auch jeden dieser gefühlten 2 Millionen Touristen einfach einmal kurz auf, zeigt ihm, was Zeitlosigkeit ist und entlässt ihn dann wieder. Die Wiener, die bei ihm Zeitung lesen, nehmen es stoisch hin.

 

 

 

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