Destruktive Beziehungen zu Narzissten 2 – Going No Contact  Zu einem Kontaktabbruch gibt es keine Alternative …

… bei verdecktem malignem Narzissmus im engsten Umfeld

Ab und zu erlebe ich sogenannte Flashbacks. Dann mischen sich Emotionen unter die grausamen Erinnerungen, die ich an die Narzissten habe, die mein Leben über eine lange Zeit
entscheidend beeinflusst haben. Es hat lange gedauert, bis ich erkannte, dass diese Emotionen nur die genetisch festgelegte Reaktion auf Personen sind, die mir qua ihrer Funktion innerhalb meines Lebens sehr nahe standen.

Diese Menschen verhielten sich mir gegenüber leider ganz anders, als man es eigentlich von engsten Familienmitgliedern erwarten würde. Ich erkannte das nicht, denn ich hatte keine Vergleichsmöglichkeiten. Es fehlte mir an Referenz. Dieses ‚anders‘ fand in verdeckter, in manipulativer Form statt und das über Jahrzehnte. Ich war nicht imstande, ihre Methoden zu durchschauen. Es zeigte sich an dieser Stelle, also im Ausbleiben meines rationalen Beurteilungsvermögens, eine Art psychischer Systemfehler. Ich löste mich nicht aus diesen Verbindungen, obwohl sie mir schadeten.

 

Was heißt das genau?

Grundsätzliches und bekannt: wir alle haben naturgemäß engste Bindungen zu sowohl Mitgliedern der Ursprungsfamilie, als auch zu den Partnern, die wir uns unbewusst zwecks Familiengründung augesucht haben, – genauso wie zu unseren Kindern. Alle diese Bindungen sind funktionell. Die Partnerauswahl ist zudem entscheidend von der Qualität geprägt, die die Bindung zu unseren beiden Elternteilen hatte. Wir planen, bei ihnen zu bleiben, bis dass ‚der Tod uns scheidet‘.  Zu welchem Prozentsatz kulturelle Einflüsse, beispielsweise Normen aus dem Christentum, eine Rolle spielen, kann ich nicht beurteilen. Aber sicher haben auch sie einen starken Einfluss auf unser Verhalten, – siehe hier die Zehn Gebote. Moral wird im Familien-/ Gesellschaftskontext gelernt, so wie wir Sprache lernen. Zumindest gibt es dazu anerkannte Theorien (Quine).

Es wird gesellschaftlich geächtet, Beziehungen zu Familienangehörigen oder Partnern einfach abzubrechen. Das ist fatal.

Personen mit einer Persönlichkeitsstörung aus dem Cluster B, einer Kategorie aus der Psychologie, weisen alle das Charakteristikum auf, manipulativ zu handeln und andere Personen für ihre eigenen Zwecke emotional zu missbrauchen.

Um sich vor diesem Missbrauch zu schützen, der gravierende gesundheitliche Konsequenzen für das Missbrauchsopfer haben kann, muss es sich aber von dem Gestörten radikal abwenden. Selbst wenn es sich dabei um den eigenen Vater, die Mutter, Bruder oder Schwester, das eigene Kind, sog. Freunde und so weiter handelt. Das schließt selbstverständlich ebenfalls den eigenen ‚Ehe- oder Lebenspartner‘ ein. Diese Maßnahme ist die einzige Methode, um die eigene psychische Unversehrtheit zu gewährleisten bzw. schon entstandene Beeinträchtigungen zu begrenzen, um sie in einem weiteren Schritt professionell therapeutisch behandeln zu lassen. Die Schwierigkeit liegt in der Radikalität dieses Kontaktabbruchs. Der Missbrauchende setzt alles daran, sein Objekt zu behalten. Er braucht es als externe Energiequelle.  Das Opfer verharrt zu oft in dieser Verbindung, in der Hoffnung, die Situation verbessere sich eines Tages. Glaubenssätze und ein Abhängigkeitszustand  (langjährigen Beziehungen zu malignen Narzissten liegt eine regelrechte Sucht zugrunde) hindern die Missbrauchsopfer daran, den absolut notwendigen, finalen Schritt der Auflösung dieser für sie schädlichen Beziehung zu vollziehen.

 

Sachliche Beurteilung von Verhalten vs. Gewissen – die moralische Keule

Sie schwappen herüber, einmal mehr von Westen (USA, Canada und UK) nach Osten, die ersten Aufklärungskampagnen darüber, das Verhalten von Eltern gegenüber ihren Kindern genauer zu beleuchten, gravierende Fehler aufzudecken und diese offen anzusprechen. Unterlassungen werden erstmals den aggressiven oder verdeckten Erziehungsfehlern gleichgesetzt. Endlich. Für stark durchstrukturierte Gesellschaften, in denen individuelles Kindesverhalten oft dem zweifelhaft überhöhten Wert unreflektiert geforderter Disziplin unterworfen wird, kann diese Aufklärung eine rettende Entwicklung darstellen. Es muss deutlich werden, wann sie genau anfängt: die Objektifizierung eines Kindes. Das objektifizierte Kind, aus dysfunktionalen Familien stammend, gibt sich später oft erneut in eine Hierarchie.

 

Die verdeckte ‚Entmündigung‘ eines objektifizierten Kindes

Hiermit fängt das große Dilemma an. Das Kind weiß natürlich nicht, dass es im Verhältnis zu seiner Mutter oder zu seinem Vater, oder im schlimmsten Fall zu beiden (Narzisst und Komplementärnarzisst), gerade im Begriff ist, ausschließlich deren Zwecke zu erfüllen. Es fungiert als Außenstelle, als Satellit, des narzisstisch gestörten Elternteils und hat kaum Handlungsspielräume. Sein Verhalten wird streng kontrolliert und seine Persönlichkeit, nach strenger Vorgabe des kranken Elternteils, geformt. Jeder Versuch, seine eigene Individualität zu leben, wird entweder nicht beachtet (was schon verhängnisvoll ist), im Keim erstickt, oder vielleicht sogar drakonisch bestraft. Sein Vertrauen wird missbraucht. Dieser Vertrauensmissbrauch verunsichert das Kind und es traut sich selbst und seinen Gefühlen nicht mehr. Es liebt trotzdem seine Mutter und seinen Vater, auch wenn beide noch so ignorant handeln, noch so subtil beeinflussen, noch so sehr wüten, manipulieren oder es vernachlässigen. Es hat keine Referenz. Es weiß nicht, dass in der Wohnung nebenan ein anderes Kind in seinem Alter ermutigt wird, z.B. auf seinen noch so exotisch klingenden Berufswunsch hinzuarbeiten, Stück für Stück. Dass Kinder emotional getragen werden müssen, genährt, so lange, bis sie sich selbst in ihrem Leben orientieren und zurecht finden können.

Es weiß nicht, wie angstfrei und unterstützend die Atmosphäre in einer Familie sein kann. Es weiß nur, was garantiert funktioniert, um die mögliche Eskalation eines Familienkonfliktes zu verhindern, bzw. was es dazu beitragen kann, damit es seinem Vater und seiner Mutter einigermaßen gut geht. Es kennt keine Entspannung und wird von Stresshormonen dauergeflutet. Es kennt das wohlige Gefühl nicht, beschützt zu sein, oder danach gefragt zu werden, wie es ihm geht, oder dass sein Wohl einmal im Vordergrund steht. Es weiß nicht, dass es auch Fehler machen darf, ohne dass seine Mutter oder sein Vater tagelang nicht mit ihm sprechen. Es kennt ein Gefühl der Freiheit nicht und auch nicht, wie es ist, wenn es die Fülle aller Möglichkeiten eines glücklichen Lebens spürt. Es liebt seine Eltern trotzdem. Naturgemäß.

Wird es älter und fängt es an, sich abzuwenden, weil es die Pubertät so will, wird seine Rebellion schwer geahndet. Diese Entwicklung wird von seinen narzisstischen Eltern einer Ablehnung gleichgesetzt, was selbstverständlich fehlinterpretiert ist. Sollte man als Tochter sogar solche Qualitäten entwickeln, die die eigene Mutter in eine Neid- und Konkurrenzproblematik treiben, werden deren narzisstische Maßnahmen, je nach Schweregrad der Persönlichkeitsstörung, immer heimtückischer und perfider. Das gleiche gilt selbstverständlich analog für das Verhältnis zwischen narzisstischem Vater und seinem Sohn. Wobei dort die Methoden eher andere sind.

Immernoch mangelt es dem jetzt fast erwachsenen Kind an Referenz, – es spürt zwar unterschwellig, dass seine Persönlichkeit unterdrückt wird, aber Konsequenzen aus dieser Situation zu ziehen, mit anderen Worten, sich von seinen Eltern zu trennen, das schaffen die wenigsten. Narzisstische Eltern erreichen weiterhin, oft unter Zurhilfenahme auch erpresserischer oder anderer manipulativer Methoden, dass das Kind die Bindung nicht auflöst und ihnen weiterhin als Quelle ihrer Ego-Zufütterung dient. Und hier liegt das Problem.

Nicht nur, dass das Kind narzisstischer Eltern, mangels solider Basis für ein stabiles Selbstwertgefühl (inklusive funktionierender Intuitionen), in seinem Leben oft falsche Entscheidungen trifft, es schlittert unweigerlich in die nächsten dysfunktionalen zwischenmenschlichen Beziehungen hinein. Woher soll es wissen, wie sich gesunde, auf Anerkennung, Offenheit und Vertrauen basierende Beziehungen anfühlen? Das mittlerweile erwachsene Kind, kämpft wieder verzweifelt um Anerkennung seiner Individualität und gibt sich oft mit viel zu wenig Anerkennung oder mit komplett fehlender authentischer Zuwendung zufrieden. So war es immer. Das kommt ihm bekannt vor. Es kommt noch nicht einmal auf die Idee, sich zu fragen, was genau in seinem Leben falsch läuft, – wo es ansetzen muss. Anspannung ist ihm vertrauter, als Entspannung. Es ist tief traumatisiert. Ein radikaler Schritt wäre der Anfang einer Lösung!


Erst wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist

Und nun komme ich zu meinem oben beschriebenen Systemfehler. Psychologen könnten mir an dieser Stelle sicher genau auseinanderlegen, warum es sich nicht um einen Fehler, sondern um logisch nachvollziehbare Lernprozesse innerhalb menschlichen Erlebens und Verhaltens handelt, – um Prägungen und Konditionierungen, die, werden sie normal gelebt, für das Individuum überlebenswichtig sind.

Ich bleibe trotzdem bei meinem Begriff. Wir sind stark an diejenigen gebunden, die uns manchmal sogar massiv schaden. An unsere Eltern. An unsere Kinder. An unseren Partner. Aufgrund neurobiologischer Prozesse. Dieser Zusammenhang scheint uns beurteilungsunfähig zu machen und das auf lange Sicht. Die Betroffenen wissen nicht, wie sich ein unabhängiges Leben anfühlt. Sie haben ihren eigenen Wert nie kennenlernen dürfen. Was sie von sich selbst wissen, ist nur diffus. Angst und Unsicherheit, fehlende Selbstgewissheit und ein Mangel an Courage verhindern ihre persönliche Weiterentwicklung. Nur mit Unterstützung, durch positive Resonanz, kann man eigene Ziele herausarbeiten und erreichen. Wenn man als Kind, sozusagen als Basiserfahrung, diese Zustimmung erhalten hat, ist man für sein ganzes Leben gestärkt, selbstsicher und zentriert. Man kennt sich selbst. Man kennt seine Stärken. Man weiß, wie persönliche Erfolge sich anfühlen.

Narzisstische Eltern bewirken das Gegenteil. Der Betroffene selbst weiß von diesen komplexen Zusammenhängen nichts. Er kann seine diffusen Gefühle nicht einmal benennen. Er ist ein Analphabet in Sachen Emotionen.

Die in der Ursprungsfamilie offen autoritär oder subtil verdeckt geforderte Hierarchie, die dem Individuum Kind zur Entfaltung seiner Persönlichkeit keine Chance gelassen hatte, ist der Grund, warum es sich in späteren Paarbeziehungen unbewusst nur zu bereitwillig erneut in eine Hierarchie pressen lässt, – sich unbewusst unterordnet und seinem neuen Narzissten bald ohne Gegenwehr das Feld überlässt. Es hat gelernt, dass Konflikte mit dem Predator, mit dem Ziel, paritätische Verhältnisse herstellen zu wollen, aussichtslos sind und lediglich weitere Demütigungen und Degradierungen nach sich ziehen. Der Prozess ist schleichend. Über Jahre und Jahrzehnte verlieren die Betroffenen das eigene ‚ich‘. Es löst sich im Dunstkreis des Aggressors langsam auf.

Das ist für gesunde Persönlichkeiten unvorstellbar. Sie kennen sich selbst genau, wissen alles über ihre Stärken und Schwächen, ihre Ziele und was sie am liebsten tun, kennen die Quellen ihrer Glücksmomente und die Möglichkeiten, wie sie ihre Energien mit Freude einsetzen können. Die Gestaltung ihres eigenen Lebens würden sie niemals jemand anderem überlassen.

Die Gesunden wissen nicht, dass es neben ihnen noch ganz andere Daseinsformen gibt; empathielose Maschinen, die aussehen, wie wir und die sich mit eiskalten, technischen Methoden (social engineering) über diejenigen hinwegsetzen, die sie für ihre eigenen Vorteile ausnutzen wollen. Sie haben die unterschiedlichsten Gründe, sich Vorteile durch andere zu verschaffen: Aufmerksamkeit, Zeit, Geld, Sex, Reputation, Informationen, Unterhaltung, attraktive Lebensumstände, gesicherte Umstände im allgemeinen, Bewunderung etc. Es sind Hüllen, die sich geschickt tarnen, damit nicht auffällt, dass sie selbst über keinerlei Glücksempfinden verfügen. Entwickeln können sie Gefühle wie Neid, Hass, das bittere Gefühl, ständig zu kurz zu kommen, nicht genug beachtet zu werden, Triumph und Macht über andere zu haben, Wut und Aggressivität, sie verfügen über enorme sexuelle Energie, Schadenfreude, Genugtuung bei materieller Übervorteilung anderer etc. Diese Regungen lösen bei ihnen einen Dopaminausstoß aus, der sie kurzzeitig aus ihrer Inhaltsleere und aus ihrer Langeweile herausholt. Was den energiehungrigen Narzissten auf hohe Frequenz bringt und ihm einen besonders starken Dopaminboost verschafft; ein vorher sorgfältig ausgesuchtes Opfer erfolgreich und gewinnbringend manipuliert zu haben.

 

Sehen wir es bitte ganz klar: es gibt keine Alternative zu einem rigorosen Kontaktabbruch zwischen dem Narzissten und uns, wenn wir endlich unser selbstbestimmtes und produktives Leben leben möchten. Ein Leben, das Spaß macht, in dem wir ein liebevolles Verhältnis zu uns selbst und zu anderen entwickeln, in dem wir wachsen und täglich das  breite  Spektrum neuer Möglichkeiten sehen und unsere Energie erfolgreich einsetzen können.


Cluster B Gestörte nutzen ausnahmslos jede Form einer erneuten Kontaktaufnahme zur Sabotage des glücklichen und freien Lebens ihres ‚Opfers‘. Sie neiden es ihm. Sie beziehen ihre Genugtuung und ihre Dopaminschübe daraus, einen anderen fallen zu sehen, – ihn zu unterminieren. So pathetisch es klingen mag. Ich gebe zu, es ist nicht leicht, die komplizierten Zusammenhänge innerhalb des Verhaltens von Personen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung zu erkennen und zu verstehen. Ich selbst habe ungefähr acht Jahre gebraucht, um diese ‚Existenzform‘ (denn leider ist es nicht mehr, als das) rational und emotional zu begreifen. Es handelt sich bei Menschen mit dieser Störung nicht um gesund entwickelte Persönlichkeiten. Sie existieren maschinell, ohne Empathiefähigkeit, ohne das Wertvollste, was gesunde Menschen ausmacht: die Fähigkeit, aus sich selbst heraus Glücksgefühle, Kreativität und Inspirationen zu entwickeln und zu vermitteln. Sie sind Behälter eines Vakuums, angewiesen auf verachtenswürdige Methoden, Energie von außen, durch andere, zu beziehen. Gelingt ihnen das nicht permanent, laufen sie Gefahr, vor Depressionen in sich zusammenzusinken.  Wären diese menschlichen Maschinen nicht so gefährlich, könnten sie einem leid tun.

 

Quellen

Allen meinen Lesern, die sich ein fundiertes und breites Wissen über das Thema Narzissmus aneignen möchten, oder die ‚ihren Narzissten‘ endlich überwinden möchten und substanzielle Hilfe benötigen, empfehle ich entweder spezialisierte Psychotherapeuten und/ oder den folgenden, exzellenten englischsprachigen youtube-Kanal der US-amerikanischen Ärztin Dr. Kathleen Ware. Hier der Link:

https://m.youtube.com/channel/UCC_iKgK3fghn3K5fHoWQv7Q

Anmerkung: meine oben genannten Verhaltensbeispiele narzisstischer Persönlichkeiten bezog ich aus eigenem Erleben mit ihnen. Ich selbst bin zwar weder Ärztin, noch Psychologin oder Therapeutin, habe aber enge Kontakte zu Personen aus diesen Bereichen. Sie unterstützen mich fachlich.

Zusätzlich führe ich laufend zahlreiche interessante Gesprächen mit betroffenen Angehörigen oder ehemaligen Partnern von Narzissten, die mir umfangreiche Inhalte für meine Texte zur Verfügung stellen.

 

 

 

 

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