Norwegen

Es besteht die Gefahr, dass ich mir ganz genau überlege, ob ich überhaupt nach Deutschland zurückkehren werde  …

Sie sind wie ich, bzw. ich bin wie sie. Sie sehen aus wie ich, bzw. ich sehe aus wie sie. Und Deutschland macht mich auf Dauer aggressiv. Also, warum bleibe ich nicht einfach hier?

Seit eineinhalb Wochen bin ich nun im Süden des Landes, ohne Strom und fließendes Wasser, mitten im Wald, in einem Naturschutzgebiet. Heute bin ich ausnahmsweise in eine der naheliegenden Städte gefahren, um mir einen externen Handy- Akku zuzulegen, anders geht es dann doch nicht. 

Letzte Woche hatten wir Sommer, seit vorgestern schneit es nachts. In der und um die Hütte herum bin ich den ganzen Tag damit beschäftigt, Wasser aus dem Teich zu schöpfen, oder abwechselnd den gusseisernen Ofen und den Kamin zu befeuern, um auf ersterem das Wasser zu erhitzen. Am Kamin sitze ich teilweise schon morgens und schreibe.

Ich habe Dachse und Kreuzottern und Bachstelzen und Hasen, Mücken und Frösche getroffen, – ein/ zwei Elche würden mich jetzt zusätzlich noch sehr freuen. 

Mit meinem Buch komme ich dann  sehr gut voran, wenn die Natur mich auf Betriebstemperatur kommen lässt, was manchmal nicht so einfach ist. 

Die Konfrontation mit sich selbst und den Themen, die ich bearbeite, sind eine große und manchmal verstörende Herausforderung. Zur Ablenkung lerne ich Norwegisch, laufe oder fahre durch die verwunschenen Wälder oder bin eingeladen bei meinen Vermietern, die nicht nur Vermieter für mich sind. 

Um zu ihnen zu kommen, laufe ich zwanzig Minuten durch den Wald, Felsen rauf, Felsen runter durch Sträucher und Sumpf. Dann der Parkplatz, dann das langzeitgemietete Auto, da meiner genau zwei Tage vor der lange geplanten Reise zusammengebrochen ist.

Bei Berit und Øystein traf ich auch Mette. Mette ist siebzig und wirkt wie dreißig. Mit ihrem Sprachstudium, genauer  ‚Angewandte Sprachwissenschaften‘, in Germersheim und deshalb ihrem perfekten Bildungs- Deutsch hatte ich endlich einmal wieder die Gelegenheit, ein paar schöne Genitiv- Konstruktionen zu benutzen, ohne komisch angesehen zu werden und mich verstaubt, gestelzt und antiquiert zu fühlen. 

Auch schön ist, dass die Menschen hier genauso viel lachen wie ich und ich nicht im geringsten Gefahr laufe, damit für einfältig gehalten zu werden, wie in meinem Land so oft.

Es fällt ihnen oft auch noch ein freundlicher Satz ein, wenn ich etwas bezahle beispielsweise, der tatsächlich von Interesse an meinem Aufenthalt hier zu zeugen scheint. Ich weiß dann gar nicht, wie mir geschieht. Das habe ich lange nicht mehr erlebt.

In den nächsten Tagen und Wochen sehe ich doch einfach  einmal nach, was hier der Arbeitsmarkt so zu bieten hat. Wer weiß …


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Supportive Leadership

Supportive Leadership

Wie funktioniert das ?

Es bedarf natürlich eigentlich mehr als eines kleinen Aufsatzes, um zu erklären, wie man als Führungskraft seine Mitarbeiter ’supported‘ – die deutsche Übersetzung erscheint mir in diesem Zusammenhang zu schwach und auch nicht sinngemäß. Wie man ihr Potenzial, ihre Kreativität und ihren Enthusiasmus hervorbringt und somit indirekt für Kundenbindung und für Produktivitätssteigerung sorgt.

Ich kann nicht anders, aber in all den Jahren meiner Tätigkeit als Leitende habe ich mich grundsätzlich sehr für die mir anvertrauten Kollegen interessiert. Es waren bis jetzt viele Tausende. Wir kennen uns vor unserem ersten Zusammentreffen nicht, werden firmenseitig zu einem Team zusammengestellt und arbeiten dann sehr intensiv jeweils für einige Tage zusammen an mindestens zwei Projekten.

Es ist mir nicht egal, mit wem ich es zu tun habe. Ich kann nicht anders, als meinen Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen, also genau so, wie ich gern von meinem Chef behandelt werden will. Ich möchte auch, dass man mir prinzipiell vertraut und mir etwas zutraut. Ich möchte gesehen werden. Ich möchte, dass mein Chef neugierig darauf ist, was in mir steckt. Ich möchte in vollem Umfang richtig eingeschätzt werden und wenn mir droht, langweilig zu werden, dann möchte ich adäquate neue Aufgaben bekommen, sonst arbeite ich nämlich schlecht, in der grässlichen Routine, die mir zugemutet wird. Ich möchte mich wohl und sicher fühlen, nur dann kann ich unseren Kunden gegenüber frei und kreativ sein, neue Ideen entwickeln und in kritischen Fällen sogar angstfrei mit meinen unkonventionellen Lösungsvorschlägen aufwarten. Ich möchte ebenfalls in vollem Umfang respektiert werden, für das, was ich bin und kann. Dann fallen die Dinge, die ich nicht so gern und deshalb nicht ganz so gut erledige vielleicht nicht so schwer ins Gewicht. Ich möchte nach meiner Meinung gefragt werden, denn das gibt mir das Gefühl, wichtig zu sein. So und nicht anders dürfte es meinen vielen Kollegen gehen und deshalb gestalte ich meine Aufgabe als Führungskraft in meinem Unternehmen wie beschrieben.

Meine Kollegen sind alle wunderbare, flexible, kreative, intelligente und starke Persönlichkeiten von 18 bis ungefähr 65 Jahren. Sie wurden handverlesen. Man kann sie jetzt nicht allein lassen, mit ihren Qualitäten. Man kann sie nicht gängeln. Man darf ihnen nicht mit Sanktionen drohen. Druck erzeugt Gegendruck. Unsere Ansprachen und Vorträge, als ihre Vorgesetzten, sollten wenigstens einigermaßen unterhaltsam, jedenfalls auf keinen Fall langweilig sein. Sie stellen zurecht hohe Ansprüche an ihre Chefs. Wir sind ein international erfolgreiches Unternehmen. Wir müssen selbst einiges bieten, um von ihnen ernst genommen zu werden. Das ist mir bewusst.

Wahrscheinlich braucht man Talent, um empathisch und supportive führen zu können. Man muss imstande sein, das große Ganze zu sehen und zu beurteilen. Manchmal muss man blitzschnell, eher intuitiv, einschreiten oder noch wichtiger, nicht einschreiten, wenn es opportun ist. Man sollte über überdurchschnittliche sprachliche Fähigkeiten verfügen, denn innerhalb einer für niveauvolle Führung absolut notwendigen offenen Kommunikation, geht es oft um extrem differenziert formuliertes Erklären von Sachverhalten oder Feedback. Wir können mit einer zu 100% aggressions- und angstfreien Kommunikation alles klären und dabei respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen. So entsteht dann auch keine passive Aggressivität seitens der Mitarbeiter.

Wir müssen authentisch und integer bleiben. Wer weiß, wieviel Prozent meiner Fehlentscheidungen mich gegenüber meinen Kollegen nur noch menschlicher haben erscheinen lassen. Ich habe sie gern, grundsätzlich von Anfang an. Es entstehen Verbindungen zwischen diesen grossartigen und interessanten Menschen und mir, die wir am Ende unserer Projekte oft zu meinem großen Bedauern wieder lösen müssen. Es ist ein Ressource Management im wahrsten Sinn, was ich betreibe. Wir, in leitenden Funktionen, sollten uns dessen täglich bewusst sein und uns auf neue Möglichkeiten freuen. Unsere Methoden sollten wir intelligent einsetzen. Davon hängt schließlich nicht nur die Produktivität sondern unbedingt auch die wertvolle Selbstgewissheit unserer Mitarbeiter ab. Wir tragen eine große Verantwortung für oft entscheidende Ereignisse in ihren Biographien.

Und jetzt ?

Und jetzt ?

Es ist an der Zeit

Es ist an der Zeit, zu resümieren. Als führe man bei Google-Earth rückwärts und betrachtete den winzigen Punkt seines kleinen Stückes Regenwald von jetzt auf gleich aus der Perspektive des Universums. Winzig und nicht mehr so furchteinflößend.

Was ist alles in meinem halben Jahrhundert passiert? Warum wussten andere von Anfang an mehr darüber, wie leben funktioniert und warum habe ich so lange gebraucht, um alles zurecht zu rücken, nachdem ich es endlich verstanden hatte? Den Gedanken, diesen Sachverhalt unfair zu finden, verbiete ich mir schon im Ansatz, – er ist zu billig. Aber dennoch, meine Erfahrungen der ersten Dekaden an irgend etwas festzumachen, ein Prinzip darin zu erkennen, dieser Drang danach, es verstehen zu müssen, kam dem Wunsch gleich, einen Pudding an die Wand nageln zu wollen. Wichtige Koordinaten, eigentlich die entscheidenden, haben mir dazu gefehlt.

Warum klappt das bewusste Leben plötzlich so gut?

„Fernsehen macht die Blöden noch blöder und die Schlauen schlauer“, diese bahnbrechende akademische Erkenntnis machte in Zeiten meines Publizistik-Studiums an der Uni die Runde und lässt sich natürlich ohne weiteres auch auf das Internet übertragen. Und hat man eines der wichtigsten esoterischen Lebensprinzipien begriffen, nämlich dass man sehr wohl geleitet wird, und sei es auch nur durch das passende youtube-Video zur richtigen Zeit, dann kann man diese Digitalisierung nicht genug anbeten. Das Resonanzgesetz, ja, ich weiß.

Nach ca. einer weiteren Dekade hatte ich endlich die essentiellen Informationen erhalten, die ich brauchte, z.B. aus Chicago, aus Sydney, aus Manchester, Brooklyn, London, Kiel und Achtung: West Bridgewater in Massachusetts (letzteres konnte meine Oma immer nicht aussprechen). Darauf ließ sich aufbauen.

Und jetzt?

Das meiner Meinung nach Wichtigste, ist die Fähigkeit des bewussten, klaren Denkens, dessen individuelle Voraussetzungen man für sich unbedingt herausfinden sollte. Mit allergrößtem Bedauern musste ich feststellen, dass in meinem ganz persönlichen Fall viel Schlaf, kein Alkohol und wenig Kohlehydrate, sowie die fast 100%ige Isolation von der Außenwelt die besten Voraussetzungen dafür sind. So lassen sich Erfahrungen am besten verwalten. Dann klappt es auch mit der Logik.

Was mache ich aber nun mit diesen Informationen? Leider gehöre ich nicht zu der Gruppe derjenigen Menschen, die ihr ganzes wertvolles Leben lang regelmäßig in den Skiurlaub oder die Karibik fahren können und daraus immer wieder neue Stimuli beziehen, – das funktioniert bei mir nicht. Insofern kann ich mich nicht auf kuschelige Rituale und wärmende Verlässlichkeiten beziehen. Ich bin auch nicht gern unter Menschen, – die vielleicht signifikanteste Erkenntnis von allen. Und wenn man sowieso eher die Nacht, den Regen, die Kälte, den Winter und die Einsamkeit favorisiert, um sich wohl zu fühlen, braucht man ganz andere Ideen, um es sich in seinem Leben hübsch einzurichten. Was also gibt ihm Sinn, wenn es nicht Familienfeste in der Sommersonne sind oder Skiurlaube in der Schweiz mit der Frauenabteilung des Lions Clubs?

Etwas Großes muss es sein, – ein neues Ziel

Was als groß definiert werden könnte, muss selbstverständlich auch wieder jeder für sich selbst herausfinden. Groß wäre in diesen Zeiten ja schon eine einzige selbstlose Aktion am Tag, wie ich finde.

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Monsieur Mathieu oder ValYouMe©

Monsieur Mathieu oder ValYouMe©

… und hiermit ernenne ich Sie zum Assistenten des Chorleiters, Monsieur Pepinot

Der Pflichtfilm für alle Erziehungsberechtigten. Die vielleicht derzeit einzige Berechtigung, für die man keine  Zertifizierung braucht, da die Natur davon ausgeht, man habe die passenden Verhaltensweisen bereits im Programm.

Die Natur hatte nicht bedacht, wie kompliziert das Leben unter den Menschen werden könnte und damit auch die große Aufgabe, junge Menschen zu glücklichen Erwachsenen werden zu lassen. Die Natur hat ebenfalls nicht bedacht, dass bereits kleinste Fehler im Zusammenleben mit Kindern dazu führen können, ihnen Selbstvertrauen, Selbstgewissheit, Zuversicht und Lebensfreude manchmal sogar langfristig zu nehmen.

Um sich behaupten zu können, um genau zu wissen, wer es ist und was für ein Lebensweg sich für es daraus ergeben könnte, ist eine differenzierte Spiegelung des Kindes seitens seines Umfeldes absolut notwendig.

Ich möchte laut schreien, wenn ich im Alltag das dumpfe Desinteresse mancher Eltern an ihren Kindern erkenne und wenn sie ihnen offensichtlich lästig sind. Ich schaffe es nicht, manche verstörende Geschichten, die ich beobachte, zu Ende zu denken. Zu viel weiß ich inzwischen über den Zusammenhang zwischen emotionaler Vernachlässigung und ihren Folgen.

Das großartige Gefühl, willkommen zu sein, in den Arm genommen zu werden, nach seiner Meinung gefragt zu werden, Aufgaben gestellt zu bekommen, die nicht zu einfach zu lösen sind, nicht andauernd für Lächerlichkeiten gelobt zu werden, die jeder irgendwie schaffen kann, zu spüren, dass sich der Erwachsene machmal für das Kind zurück nimmt, zu spüren, dass der Erwachsene für das Kind etwas möglich macht, was einem tiefsten Wunsch des Kindes entspricht, es wie einen Menschen auf Augenhöhe zu behandeln, seine Grenzen zu akzeptieren und zu respektieren, seine Berufswünsche zu unterstützen, es nicht anzulügen sondern einen offenen Umgang mit ihm zu kultivieren, es vor anderen Kindern und Erwachsenen respektvoll zu behandeln, es nicht zu verraten, ihm seinen Wert in regelmäßigen Abständen zu erklären, damit es diesbezüglich nie wieder Zweifel an sich selbst haben wird, ihm zu sagen, wie schön es ist, ihm zu sagen, wie klug es ist, ihm zu sagen, wie warmherzig und liebevoll es ist, ihm zu sagen, dass man es liebt (warum ist das für viele so schwer?), ihm zu sagen, dass es die Gruppe bereichert mit seiner Persönlichkeit und dass es den anderen furchtbar fehlen würde, wäre es nicht da, wenn überhaupt nötig, einen genau passenden Kindergarten/ eine exakt passende Schule für das Kind zu finden, auch wenn der Weg dahin vielleicht mühsamer ist, sich die Lehrer genau anzusehen und auf seine Intuition zu vertrauen, wenn diese Lehrer evt. potenzielle Verursacher größerer Schäden sein könnten, die Gefühle des Kindes genau verstehen zu wollen, seine spezifische Intelligenz zu verstehen, seine Sonderbarkeiten zu verstehen, seine unlesbare Schrift nicht zu verurteilen in der Gewissheit, dass auch diese sich in einem Prozess befindet, überhaupt nicht zu verurteilen, da sich die gesamte kindliche Entwicklung täglich in einem Prozess befindet, als Erwachsener seine Worte sorgfältig zu wählen, denn sie sind die späteren Stimmen des erwachsenen Kindes, die es für immer in sich trägt und täglich hört und die es entweder alles ermutigend bewältigen lassen, was es sich vornimmt, oder es davon abhalten, erfolgreich sein Leben zu führen, sein vielleicht herausragendes Talent zu erkennen und zu fördern, – die Kinder müssen während ihrer gesamten Kindheit möglichst vielschichtige Möglichkeiten bekommen, sich auszuprobieren, darin Erfolge und Misserfolge sehen zu dürfen, sie für sich selbst zu deuten, sie müssen nach vermeintlichen Fehlern angstfrei zurückkommen dürfen, sie müssen spüren, wichtig und von Bedeutung für andere zu sein und vor allem das unerschütterliche Gefühl haben, bedingungslos geliebt zu werden. Das alles lässt ein Kind glücklich sein und bleiben. Es ist im wahren Wortsinn ein einzigartiges Individuum, – einzigartig in der Menschheitsgeschichte!

Auf diese kleine, unvollkommene Liste positiver elterlicher Verhaltensweisen könnte man zumindest aufbauen …

Ein Muss: Les Choristes oder Die Kinder des Monsieur Mathieu, ein französisch- schweizerischer-deutscher Film aus dem Jahr 2004. Er gehört zu den erfolgreichsten französischen Filme der vergangenen Jahre;

Regie: Christophe Barratier
Musik: Bruno Coulais

Clément Mathieu: Gérard Jugnot
Mohange: Jean- Baptiste Maunier
Pépinot: Maxence Perrin

Vier auf einen Streich – die Narzisstenfliegenfalle

Vier auf einen Streich – die Narzisstenfliegenfalle

So unterschiedlich sie auch sind

Meine Ausbeute der letzten Tage kann sich sehen lassen. Auch wenn der, dem ich am meisten vertraue, mir langsam eine beginnende Paranoia attestiert, ich bleibe dabei. Wie an einem halb ausgerollten und von der hohen Decke hängenden, gelblich glänzenden Fliegenfängerklebeband im Hochsommer, bleiben ganze Kolonien an mir haften. Sterben werden sie allerdings klebenderweise nicht müssen, auch wenn ich damit sicher noch einigen anderen Empathen ihres jeweiligen Umfeldes einen großen Gefallen tun würde. Mir persönlich reicht der Schlussstrich.

Ich bin noch etwas benommen von diesen klaren Entschlüssen und frage mich, warum ich sie erst jetzt, nach vielen Jahren, treffen konnte. Die Gründe sind unterschiedlich. Nicht immer liegt es an einem fehlenden Bewusstsein darüber, mit welch‘ einer Person ich es genau zu tun habe. Im Gegenteil. In einem Fall beispielsweise weiß ich seit langem, dass mir gegenüber eine Neid- und Konkurrenzproblematik vorliegt. Wenn man in einem emotional mißbräuchlichen, hoch manipulativen System aufwächst, ist es sogar schwer, sich als Erwachsener daraus zu lösen. Ich habe Jahr für Jahr verstreichen lassen und mir die Situation angetan. Und das, obwohl anerkannte Ärzte mir rieten, diesen ‚Vertrag‘ endlich aufzulösen. Ein Grund zu bleiben waren wohl Konventionen an sich, die Art der Verbindung und eine Form sozialer Kontrolle seitens des Umfeldes, das mir gegenüber jahrzehntelang fast mantraartig über das Thema Vergebung referierte. Nun habe ich die für mich beste Lösung gefunden. Um zu 100% weiteren Attacken gegen mich und den daraus resultierenden Verletzungen vorzubeugen, muss ich leider gehen.

In einem anderen Fall gab es nach ca. 6 Jahren ein Wiedersehen. Die Umstände damals waren denkbar leicht und heiter. Wir verbrachten gemeinsame Zeit in Rio, sie hatte ihren Schatten dabei und wir genossen alle zusammen diesen unverschämt traumhaften Blick vom Corcovado über die Buchten. Natürlich war unsere Begegnung damals eher oberflächlicher Art. Jetzt, nach diesen Jahren, in denen bei uns beiden dramatische Dinge passiert sind, saßen wir nicht mehr so leicht zusammen. Nun sollte man ja meinen, dass Grenzerfahrungen die Menschen demütig werden lassen. Genau diese Entwicklung musste ich bei der betreffenden Person vermissen. Ich hörte mir nacheinander Details über Episoden an, in denen sie, eiskalt geplant, nur eine Sache im Visier hatte und das war ihr eigener Vorteil. Nach einem langen Abend und einem kurzen Frühstück sah ich mich gezwungen, den Rückwärtsgang einzulegen. Ich fühlte mich, als wäre 24 Stunden lang ein Industriestaubsauger über mich hergefallen. Immer dünner wurde meine Haut und immer größer mein Unbehagen bei jedem ihrer neuen Versuche, aus mir eine brauchbare Information herauszuquetschen. – Ich habe nichts mehr zu geben.

Wieder anders und doch ähnlich, allerdings um einiges subtiler der folgende Fall. Vor über 20 Jahren begann eine freundschaftliche Verbindung deren fundamentaler Bestandteil die Tatsache war, dass sie einige Jahre älter und somit wie selbstverständlich die Dominante war. Von gleicher Augenhöhe konnte man nicht sprechen. Die Essenz dieser Verbindung lag mit Sicherheit in den lebendigen Gesprächen voller Esprit, in gemeinsamen Unternehmungen und in unbestritten witzigen Dialogen. Als ich mich in der mir zugewiesenen Rolle nicht mehr wohlfühlte, ging ich. Dank der Digitalisierung fanden wir uns im Netz wieder. Der Vorschlag, es wieder miteinander zu versuchen, gefiel uns beiden.

Ich kann gar nicht genau sagen, warum es nicht zu einem persönlichen Wiedersehen kam. Ich ahnte wohl, dass auch meine zahlreichen Veröffentlichungen über meine Themen (besonders diejenigen über die beiden Themenkomplexe ‚Hochbegabung‘ und ‚Narzisstische Persönlichkeitsstörungen‘) und der ganz offensichtlich große Wandel, den ich vollzogen hatte, mich nicht davor bewahren würde, erneut diese Rolle von vor 20 Jahren zugewiesen zu bekommen. Anhand kürzerer Bemerkungen innerhalb ihrer Messages konnte ich das erkennen. In meinen Freundschaften gibt es keine Hierarchien. Auch interessant in dem Zusammenhang; die fehlende Offenheit. Ich weiß, wer meine Texte liest. Das zeigt mir die Statistik von WordPress. Wenn jemand, der mit mir im reellen Leben befreundet sein möchte, hunderttausendmal meine Geschichten liest, nicht aber in der Lage ist, sich über den Zeitraum eines langen Jahres auch nur ein einziges Mal (selbst wenn es negativ kritisch gewesen wäre oder überhaupt eine Bezugnahme) dazu zu äußern, dann finde ich das nicht normal.
Zumindest würde ich es anders gestalten und allein das ist meine Referenz.

Und dann die letzte Variante. Sie ist von mir schon so oft thematisiert worden, dass ich Gefahr laufe, meine Leser sterben beim Lesen vor Langeweile.

Ein für alle Mal, exemplarisch für alle männlichen Interessenten, die es vor kurzem versucht haben, aktuell versuchen und in Zukunft versuchen werden, mich zu hypnotisieren:
ich bin nicht daran interessiert, das in Ihnen vorherrschende Vakuum auszufüllen, wenn sich für Sie gerade nichts anderes ergibt, meine Herren.
Hüten Sie sich davor, mich tage- und wochenlang mit Messages und Anrufen zu bombardieren, um mich einzuwickeln. Es wird Ihnen nicht gelingen. Ich werde deshalb kein Dopamin produzieren und dann natürlich auch keine Entzugserscheinungen haben, wenn Sie dann, plangemäß, mit ihrem silent-treatment beginnen. Das soll mich dann verwundern, irritieren und dazu veranlassen, Ihnen hinterher zu telefonieren. Nein, das wird nicht passieren. Im Gegenteil. Ich werde nicht damit aufhören, Ihre Machenschaften schriftlich zu verbreiten, um andere
vor Ihren Methoden zu warnen und zu schützen.

Nun entsage ich also sämtlichen Velociraptoren, in der Hoffnung, zukünftig bevor sie um die Ecke kommen ihr schnarrendes Zischen zu bemerken und mich schneller hinter verchromten Laborkühlschränken oder aufgetürmten Reagenzglashaltern verstecken zu können.

Ich habe keine Zeit zu verschenken.

http://www.narcsite.com

Leinen los

Leinen los

Meine erste Gedichtveröffentlichung in 2010

„Hallo Ihr Lieben, ich habe etwas Neues! Mein Gedicht ist raus. Sie haben es genommen, ist das nicht genial?“

„So so. Dann bekommen wir doch bestimmt ein Exemplar des Gedichtbandes, oder?“

„Ja klar, sobald ich die Zusendung erhalten habe. Sicher. Macht es gut und bis bald.“

Drei Wochen später.

„Na, wie gefällt es Euch?“

„Wir finden, Du solltest Deine Zeit mit Sinnvollerem verbringen.“

„Was meinst Du genau?“

„Wir haben das Gedicht allen unseren Freunden gezeigt, – keiner hat es verstanden und wir auch nicht … “

“ … “

Zwei Monate später

„Sehr geehrte Frau … , wir haben Ihnen die erfreuliche Mitteilung zu machen, dass Ihr Gedicht für den Band ‚Unsere Besten‘ ausgewählt wurde. Der Druck … „